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Maischberger und so
#1
Thomas Fischer, Prof. Dr. jur, BGH, war Talkgast und macht sich u.a. Gedanken zum Fernsehen; Auszüge:


Zitat:Nun also zur Sache und zum "Format". Eine Talkshow ist eine Talkshow ist eine Talkshow. Schon morgen wird es gehen um die Frage: "Populismus – Ende der Demokratie?" oder "Silikon – Tragödie meines Lebens", oder: "Wolfgang Schäuble: Fressen uns die Griechen die Haare vom Kopf?". Das bedeutet: Man tut irgendwie aktuell. Aber letztlich ist es gänzlich gleichgültig, worüber man quatscht. Am 1. Februar ging es um die "Prügelknaben der Nation?" – ein, wie erwähnt, unsinniger oder unverständlicher Titel. Mir schien: Redaktion und Moderatorin verfügten weder über ein Konzept, noch hatten sie einen Plan oder Grundkenntnisse des Themas Polizei und öffentliche Sicherheit. Der Regie-Einfall bestand darin, irgendwelche Leute zusammenzusetzen in der Hoffnung, dass die sich gegenseitig missverstehen, anschreien und beleidigen. Nick Hein, Muskelpaket aus dem Kampfsportlager, hat daher sein Pauschalhonorar von 500 Euro redlich verdient.

Sie halten Konzept und Ablauf der Sendung für planlos und chaotisch? Dazu nur so viel: Von Planlosigkeit kann keine Rede sein. Die sogenannten "Talk-Shows" haben, wie eine Vielzahl anderer TV-Events auch, mit dem "öffentlich-rechtlichen" Rundfunkprogramm seit Langem nichts mehr zu tun. Es handelt sich um Produktionen "freier" Produktions-GmbHs (in diesem Fall: Vincent TV GmbH, Geschäftsführerin Sandra Maischberger), die nach ausschließlich (!) marktwirtschaftlichen Kriterien irgendeinen beliebigen "Content" produzieren und sodann an eine Fernsehanstalt verkaufen. Die sogenannten "Formate" der Redeschauen sind nach Personen benannt, die als geistige Inspiratoren beworben werden und deshalb immerzu mit empathischem Augenaufschlag und wissend-ironischem Mundwinkelgekräusel in die Kameras blicken müssen, selbst wenn sie vom Thema der Sendung so viel Ahnung haben wie das Huhn vom Langstreckenflug.

Es geht, anders gesagt, weder um Auseinandersetzung mit ernsthaften Argumenten, noch um Information des Bürgers, sondern allein darum, auf jede nur erdenkliche Weise Quote zu generieren. Wer das "Trash" nennt, liegt nicht weit weg von der Wahrheit. Die Redaktionen im Hintergrund überlegen, wie es scheint, zunächst, welche sinnfreie, aber spektakuläre These man einmal ins Getümmel werfen könnte. Sodann akquiriert man dazu irgendwelche Gäste mit dem Hinweis, ihre Meinung und Sachkenntnis seien für die Sache hochbedeutend. Schließlich kombiniert man die Versuchspersonen nach dem Kriterium: Je mehr Krawall, desto später wird weggezappt. Dies ist das intellektuelle Grundgerüst und zugleich die künstlerische Erfüllung.

Wichtigste Figur für jede Sprech-Schau ist ein Opfer, gern auch "Betroffener" genannt – betroffen von was auch immer. Es kommt nicht darauf an, wer, warum, wie, ob überhaupt, warum oder was: Ein Betroffener oder eine Betroffene muss auf jeden Fall dabei sein. Ohne die geht es nicht, denn die Zuschauer können sich die philosophische Frage, ob der Hartz-IV-Satz ausreicht, einfach nicht vorstellen, ohne eine zerwuschelte Sozialhilfeempfängerin darüber weinen zu sehen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...r-im-recht


Es gibt natürlich eine längere Einleitung und anschließend geht es auch noch weiter, insgesamt 5 Seiten. Herr Fischer hat bestimmt nichts dagegen und die Zeit und der Admin hoffentlich auch nicht, wenn das Zitat ausnahmsweise etwas länger ist. Fischer kriegt nichts dafür, für die Zeit ist es kostenlose Werbung und der Admin wird es aushalten.

Schwarzen Tee dazu und Orangenplätzchen! Zwinker
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#2
(09.02.2017, 09:38)forest schrieb: Thomas Fischer, Prof. Dr. jur, BGH, war Talkgast und macht sich u.a. Gedanken zum Fernsehen; Auszüge:
Es gibt natürlich eine längere Einleitung und anschließend geht es auch noch weiter, insgesamt 5 Seiten. Herr Fischer hat bestimmt nichts dagegen und die Zeit und der Admin hoffentlich auch nicht, wenn das Zitat ausnahmsweise etwas länger ist. Fischer kriegt nichts dafür, für die Zeit ist es kostenlose Werbung und der Admin wird es aushalten.
Schwarzen Tee dazu und Orangenplätzchen! Zwinker

Den Artikel habe ich gestern auch gelesen und wollte ihn hier verlinken, hab's aber dann irgendwie vergessen.

Das Problem hängt wohl auch mit diesen Produktions-GmbHs zusammen, von denen jeder Talkshow-Moderator eine besitzt, und damit, dass die ÖR-Sender eben kaum mehr selbst produzieren. Da hat Fischer schon recht.

Nein, diese Leute sollten dem Sender nicht fertige Sendungen als Gesamtpaket verkaufen. Dann entscheidet nämlich nur noch die Quote darüber, ob die Sendung weiterläuft, welchen Sendeplatz sie erhält, wie sie beworben wird, etc. Sie sollten als Moderator einen Vertrag mit dem Sender haben. Der Sender produziert die Show im eigenen Studio selbst, wie früher, und kann dann natürlich auch mehr Einfluss auf den Inhalt ausüben, wenn es nur noch krawallig wird. Oder einfach den Moderator austauschen.

Das Problem ist auch die Quotengeilheit der ÖR-Sender. Seit es die Privaten gibt, ist nicht mehr die Qualität einer Sendung entscheidend, sondern die Quote, die sie voraussichtlich erzielt. Man hätte sich als öffentlich-rechtlicher Rundfunk nie auf diesen Wettbewerb einlassen sollen, sondern einfach weiterhin ein gutes Programm produzieren und den Schrott und den Krawall den Privatsendern überlassen.

Ist aber in Österreich das selbe. Ich kann hier ORF 1 und 2 empfangen. ORF 3 könnte ich auch empfangen, aber das ist eh verschlüsselt. Toll, dachte ich mir, als sie diese DVB-T-Antenne auf dem Dach anbrachten, und uns dann den ORF in unser hausinternes DVB-C-Netz einspeisten, endlich wieder ORF! Ich hatte den ORF lange nicht mehr gesehen, seit sie die Sendeleistung vom analogen Antennenfernsehen so reduziert hatten, dass man nur noch Rauschen reinbekam.

Aber ich könnte auf diesen ORF von heute sehr gut verzichten, habe ich dann festgestellt. Wo sind denn die Sendungen wie "Kunststücke" alle hingekommen und die guten Filme, die es nachts am Wochenende dort gab. Wirklich gutes und teilweise abseitiges Zeug wie Dalís "Un chien andalou" oder "Le salaire de la peur" von Clouzot. Gibt's alles nicht mehr im ORF. Von sowas wie Phettberg

wollen wir lieber erst gar nicht reden.

Nix mehr, nada, alles weg. Nur noch Sport und Sitcoms und Kochshows und Gelaber. Dummes Gelaber, im Gegensatz zu dem von Phettberg. Und manchmal die Simpsons, aber die gibt's ja auf Pro7 auch.
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#3
(09.02.2017, 09:38)forest schrieb: Thomas Fischer, Prof. Dr. jur, BGH, war Talkgast und macht sich u.a. Gedanken zum Fernsehen; Auszüge:

Es gibt natürlich eine längere Einleitung und anschließend geht es auch noch weiter, insgesamt 5 Seiten. Herr Fischer hat bestimmt nichts dagegen und die Zeit und der Admin hoffentlich auch nicht, wenn das Zitat ausnahmsweise etwas länger ist. Fischer kriegt nichts dafür, für die Zeit ist es kostenlose Werbung und der Admin wird es aushalten.

Schwarzen Tee dazu und Orangenplätzchen! Zwinker


Sehr interessant und sehr zutreffend. Ein netter Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist die Inkaufnahme der gesellschaftlichen Spaltung zu immer mehr Themen. Es zählt aber nicht nur der Krawall, sondern auch eine regierungsnahe Ausrichtung. Dazu gehört z. B., dass man beim Thema Trump (nur ein Beispiel!) darauf achtet, dass sich a) Trump-Befürworter in der Minderheit befinden und b) intellektuell das Nachsehen haben. Zuletzt konnte man das im US-Wahlkampf erleben, als sich ein 24-jähriger Amerikaner einer Riege von Politik-Experten und -Professoren, allesamt in den Mittfünfzigern, stellen musste und (natürlich) auf verlorenem Posten war. Das ist, wie gesagt, nur ein Beispiel, das man bei vielen anderen Themen ebenfalls beobachten kann. Deshalb sehe ich mir solche Sendungen kaum noch an.

Martin
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#4
Hier wird sie manifest, die philosophische, ideele und kulturelle Obdachlosigkeit, in die sich Deutschland von Nazi-Spatzenhirnen durch Ausrottung und Vertreibung des jüdischen und kulturellen Bildungsbürgertums hat manövrieren lassen. Der Kern der Kulturschaffenden war entweder vergast oder geflohen, und die Nachahmer der Täter von damals fordern offensiv ein Vergessen dieses Umstandes.

Es hatte keinen Zweck, die Täter und ihre Nachfolger über die Zusammensetzung des "Rundfunkrates" und verwandter Institutionen entscheiden zu lassen, oder diese Gremien mit spatzenhirnigen csulern zu idiotisieren. Das hat letztlich zu Privatfernsehen und dem elenden Geschwätz geführt.

Leute, die vereint gegen alle Regeln der Menschlichkeit verstoßen haben, sind nun mal keine unterhaltsamen Charaktere, deren Vorstellung von "Unterhaltung" wird, wie ihre "Informationen", doch von der Massenbetäubung der prädementen Silbersee-Horde und Facebook repräsentiert. Dummschwätzer, Kakerlaken und Retortenschlager.
Mein Rat: Nicht einschalten, nicht nutzen.
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#5
(09.02.2017, 10:11)Martin schrieb: Zuletzt konnte man das im US-Wahlkampf erleben, als sich ein 24-jähriger Amerikaner einer Riege von Politik-Experten und -Professoren, allesamt in den Mittfünfzigern, stellen musste und (natürlich) auf verlorenem Posten war.

Also bei mir erreichen die mit so einer Besetzung genau das Gegenteil? [Bild: dnewluyd.gif] Bei Vier gegen Lucke oder Fünf gegen Alice Weidel oder Alle gegen den jungen Amerikaner kommt bei mir immer der Löwenmutterinstinkt durch und am nächsten Tag erinnere ich mich nur noch an die mit der Mindermeinung. Von der bleibt dann irgendwie mehr hängen als den Sendungsmachern lieb ist, glaube ich.
"Die sollen einfach nicht mehr kommen." (jardinduvin)
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#6
Animiert zu dem Thema hat mich Manni B.s Beitrag zu Alice Weidel in der Maischberger-Show, kurz zitert:

Zitat:Wichtig wäre mir die Frau Alice Weidel, sie ist in Wirtschaftsangelegenheiten äußerst kompetent, als Rednerin eloquent, kann schwierige Zusammenhänge verständlich erläutern. Eine Fachfrau, die man sich nur wünschen kann.

http://treffpunkt-koenigsplatz.de/showth...9#pid20669

Seit etwa '95 bin ich glotzfrei und eigentlich unqualifiziert, über TV zu sprechen, aber glücklich damit. Eigentlich heißt, daß ich mich gerne damit abfinde, gelegentlich etwas zu versäumen und notfalls sich von irgendwoher den Stream reinzuziehen, so auch hier mit der Folge, daß ich Manni B.s Einschätzung nicht teilen kann; ganz im Gegenteil.

Zu Fischer - der hat meistens recht Recht - kann ich auch bestätigen, daß zunehmend auf Kosten der Sache emotionalisiert wird. Nichts gegen eine Schnulze, gar aufwühlend oder nur hübsch garniert wie bei Rosamunde Pilcher, aber Sache muß Sache bleiben, wenn es um die Sache geht.

Da bleibt die nötige Differenzierung auf der Strecke mit dem Effekt, daß plötzlich jede/r mitreden kann, die/der zwar nichts weiß und auch garnichts wissen muß außer seinen Gefühlen - Frau Loriots Ei.

Und so wird schließlich gefühlte Politik gemacht und Wahlen gewonnen. 'Trumpen' könnte man das nennen, aber das machen andere auch und jede/r macht es. Viel Schauspielerei! Wollen das die Leute so?

Zumindest Tagesschausprecher waren früher® neutral wie ein  halbwegs freundlicher Eisklotz. BGH-Fischer hat das mal bei Marionetta Slomka anläßlich ihrer gelegentlich betont verzogenen Mundwinkel angesprochen, zu Recht natürlich. Für den richtigen Vornamen kann ich nicht garantieren wegen 'glotzfrei.'
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#7
Toller Auftritt von Alice Weidel, der Stern am AfD-Himmel, absolut sehenswert!

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#8
(09.02.2017, 12:12)Manni Burgsmüller schrieb: Toller Auftritt von Alice Weidel, der Stern am AfD-Himmel, absolut sehenswert!

Die ist mir zu schwatzhaft.
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#9
(09.02.2017, 12:17)forest schrieb: Die ist mir zu schwatzhaft.

Sie liefert Fakten, begründet sie und sorgt somit für helle Momente, auch wenn es die Diskutanten nicht wahrhaben wollen.
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#10
(09.02.2017, 12:22)Manni Burgsmüller schrieb: Sie liefert Fakten, begründet sie und sorgt somit für helle Momente, auch wenn es die Diskutanten nicht wahrhaben wollen.

Das ist schon richtig. Sie wirkt wesentlich sicherer und gelassener als ihr Gegenpart, ganz am Anfang.

Aber sie haben da halt wieder vier Leute hingesetzt, die die herrschende Meinung vertreten, und eine, die es nicht tut. Sie hetzen die Leute aufeinander in diesen Shows. Die vier Etablierten werden den "Neuen" schon niederreden, denkt sich die Regie, und deshalb braucht die Moderatorin auch keine Ahnung von nix zu haben, sondern muss bloß halbwegs gut aussehen. Und am besten ist es, wenn man vier Etablierte und Sarah Wagenknecht dahat. Das ist dann "Bingo".

In diesem Thread geht es nicht so sehr um Parteipolitik, bei aller Ihrer Zuneigung zur AfD.

Es geht vielmehr um die billige Funktionsweise von politischen Talkshows. Bitte lesen Sie den Artikel von Fischer, denn ich bin ziemlich sicher, dass Sie das bisher nicht getan haben.
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