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Neuerscheinungen
#51
Ken Bruen: Brant (Kriminalroman, Polar-Verlag GmbH, Hamburg 2017. Der Preis steht leider nicht drauf, aber es waren 15 oder 16 € für ein sehr schön und solide gebundenes Taschenbuch mit 251 Seiten.)

Sehr schön und hart geschrieben und überaus spannend. Für Krimi-Leser ausgesprochen empfehlenswert und sehr gut übersetzt.

Der Schreibstil geht so in etwa in die Richtung von Raymond Chandler. Der "schwarze" Krimi halt. In dem Fall über einen Serienkiller, der sich vorgenommen hat, sieben Polizisten zu töten. 

Zitat:Er hatte schon seit Tagen kein Koks mehr auftreiben können, musste sich also anderweitig behelfen. Kaufte eine Flasche Wodka und sechs Dosen Red Bull. Das Kokain des einfachen Mannes. Langsam tat sich was, seine Nerven begannen zu summen, während aus den Lautsprechern Iron Maiden dröhnte. Voll aufgedreht... Dann plötzlich die Idee: Einen Bullen umbringen! Wie Oprah wohl sagen würde, ein Licht ging ihm auf wie eine Glühbirne. 

Nein... Halt, warte mal. Lieber gleich eine ganze Bullenmeute umbringen. Und falls sie ihn erwischten? Dann gäbe es Angebote von Verlagen, von Sky News, von TV-Produzenten...
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#52
Volker Klüpfel / Michael Kobr: Kluftinger 
Kriminalroman, Berlin 2018 (Ullstein)
477 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 22 €

Der inzwischen zehnte Fall des Kriminalhauptkommissars Adalbert Ignatius Kluftinger bei der Kripo Kempten im Allgäu. 

In diesem Roman wird sehr viel Familiengeschichte der Kluftingers abgehandelt. Es gibt immer wieder Rückblenden in Kluftingers Kindheit und Jugend, das schwierige Verhältnis zu seinem Vater wird beleuchtet, der Kluftinger lieber als "nomalen Polizisten", nicht als Kriminaler gesehen hätte. Man erfährt außerdem, dass er ein "ganz normaler Jugendlicher" war, der gerne mal einen Joint geraucht hat und dessen Clique immer die Les Humphries Singers hörte. 

In der Gegenwart stellt ein Unbekannter ein Grabkreuz mit Kluftingers Namen darauf auf den Friedhof, legt Sterbebildchen von ihm in der Kirche aus und schaltet Todesanzeigen in der Zeitung. Ausgerechnet im November, im Umfeld von Allerheiligen und Allerseelen, dem Volkstrauertag und dem Totensonntag. Spätestens, als von einem Kirchturm aus auf Kluftinger geschossen wird, ist ihm klar, dass es sich nicht um einen üblen Scherz, sondern um echte Drohungen handelt. Der Unbekannte weiß verdächtig viel über ihn, sogar seine beiden altertümlichen Vornamen, um die er bei der Polizei immer einen Hehl gemacht hat, und z.B. auch die Sache mit den Les Humphries Singers. Die Ursache muss also irgendwo in der Vergangenheit liegen. 

Soweit, so gut. 

Weniger gefällt mir, dass der Lokalkolorit ziemlich übertrieben ist. Verschiedene Dialekte von Menschen werden in aller Länge und Breite und bis zum Überdruss abgehandelt. Kluftinger kann es nicht lassen, ständig "Kruzifix" zu fluchen, an einer Stelle sogar in einer Kirche. Das Wort entfährt im geschätzte 20 Mal in dem Roman. So inflationär hätte es das alles nicht gebraucht. 

Auch die Familienverhältnisse Kluftingers nehmen einen sehr breiten Raum ein. Man fühlt sich stellenweise eher in der Lindenstraße als in einem Krimi. Eine ideale Vorlage für einen Fernsehkrimi vom ZDF also. Eher so wie "Der Alte" oder "Derrick" als ein "Tatort" in der ARD. Freigeben würde dieser Film dann ab 12 Jahren, so dass man ihn fast mit der ganzen Familie um 20.15 Uhr ansehen kann. Aber nichts für echte Krimifreunde. 

Am ärgerlichsten ist aber, dass der Fall mit der Auflösung am Ende noch längst nicht geklärt ist. Die Aufklärung des einen Falls bringt Kluftinger automatisch zum nächsten Fall. Dieser wird zwar angerissen, aber damit endet das Buch. Der Cliffhanger für den 11. Kluftinger-Fall ist also schon eingebaut. (Wie damals bei "Flash Gordon". "Wird es Flash Gordon gelingen, den bösen Kaiser Ming zu besiegen? Schalten Sie unbedingt auch nächste Woche wieder ein, um es zu erfahren!" Man erfuhr es natürlich auch in der nächsten Woche nicht.) Äußerst unbefriedigend, meiner Ansicht nach.  

Ein Wort noch zur technischen Machart des Buchs. 22 € sind eine Menge Geld für ein Buch. Und ein Lesebändchen ist zwar ganz praktisch, aber jeder Zettel tut es als Einmerker auch. 

Lieber wäre mir gewesen, die Seiten hätten sich auf Anhieb alle voneinander gelöst und ich hätte sie nicht immer wieder mit dem Messer aufpopeln müssen. Das zog sich durch mein ganzes nagelneues Exemplar. Und der Druckfehler auf Seite 307 ("Erik" statt "Erika", das ist die Ehefrau von Kluftinger, von der schon auf den 300 Seiten davor ständig die Rede war und fünf Zeilen weiter oben auch) ist ziemlich peinlich. (Satz: L42 AG, Berlin; Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck)
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