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Ärztemangel
#1
Kommentar heute in der AZ:

Zitat:Denn an der Hauptursache für die Termin-Misere und andere Krankheiten des Gesundheitswesens ändert es nichts. Deutschland leidet unter Ärztemangel, gerade im ländlichen Raum. Mediziner, die es gar nicht gibt, kann auch Jens Spahn nicht zwingen, Kassenpatienten schneller zu behandeln.

Quelle: AZ

Das Problem wurde im Kommentar richtig erkannt, aber nicht mehr als das. Und knapp daneben ist eben leider auch daneben.

Die Ursache liegt v.a. im NC. Selbst ich mit einem Abi mit 1,8 hätte erst mal zwei oder drei Semester warten müssen, um Medizin studieren zu können. 

Aber man flutete gleichzeitig die Unis mit Frauen, die bessere Abiturnoten mitbrachten. Die sind halt besser im Auswendiglernen. (Die Schülerin mit einem 1,0-Abitur bei uns im Jahrgang war gleichzeitig die Dümmste. Die konnte dir zwar sagen, wo irgendwas steht ["im Buch auf Seite 107 rechts unten"], aber nicht, was es bedeutet. Die hatte also nichts begriffen, aber sie hatte es hervorragend auswendig gelernt. Und das reichte für ein Spitzenabitur.) 

Und was machen die dann, wenn sie Ärztin sind? Sie wollen natürlich eine "gesunde" Work-Life-Balance haben, was heißt, dass sie ihre Praxis maximal einen halben Tag offen haben und sehr gerne auch mit einem Tag in der Montag-bis-Freitag-Woche, an dem überhaupt keine Sprechstunde ist.

Ganz schlimm ist es bei Tierärzten. Da gibt es zwar jede Menge Tierärztinnen mit Kleintierpraxen (Hamster, Meerschweinchen, Katzen, kleine Hunde; Rottweiler und Schäferhunde sind schon zu groß, die gehen nicht mehr als "Kleintier" durch), aber wenn du als Bauer einen Tierarzt brauchst, der eine Kuh besamen soll, dann stehst du mittlerweile völlig allein im finsteren Wald. Dazu muss man sich nämlich den langen Gummihandschuh, der bis über den Ellenbogen reicht, anziehen und den Arm dem Tier ganz tief in die Scheide reinstecken. Und das ist "eklig", da kommen ihnen wahrscheinlich irgendwelche Vergewaltigungs- oder gar Zoophilievorstellungen. Das wollen die partout nicht machen. 

Dieses Land ist selber schuld an seinem Niedergang.
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#2
(15.03.2019, 07:00)PuK schrieb: Kommentar heute in der AZ:

Das Problem wurde im Kommentar richtig erkannt, aber leider nicht mehr als das. Und knapp daneben ist eben leider auch daneben.

Die Ursache liegt v.a. im NC. Selbst ich mit einem Abi mit 1,8 hätte erst mal zwei oder drei Semester warten müssen, um Medizin studieren zu können. 

Der Sohn von Freunden von uns will Arzt werden. Dummerweise hat er ein Abitur mit 2,9 oder so. Jetzt hat er zur Verbesserung seiner Note eine mehrjährige Ausbildung als Pfleger durchlaufen und arbeitet im Krankenhaus als Pfleger. Trotzdem muss er noch 1-2 Jahre warten, um endlich studieren zu können. Jedes Wartejahr "verbessert" so seine Note um endlich auch den NC-Schnitt fürs Medizinstudium zu kommen. Ich kenne ihn recht gut, er wäre ein guter Arzt aus Leidenschaft. Hat halt leider nicht das Spitzenabitur. Aber er kämpft sich durch und wird auch Arzt werden. Was für ein Irrsinn, solche Leute die Jahre vertrödeln zu lassen. Aber auf der anderen Seite wird darüber diskutiert, dass ein Medizinstudium aus dem Ausland, das häufig nicht annähernd den deutschen Standards entspricht, hier leichter anerkennen zu lassen. Schwachsinn hoch drei.

Martin
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#3
Und wie so oft ist wohl weder der eine, noch der andere Weg richtig, sondern es bedarf Verbesserungen an beuden Wegen.
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#4
(15.03.2019, 07:00)PuK schrieb: Die Ursache liegt v.a. im NC. Selbst ich mit einem Abi mit 1,8 hätte erst mal zwei oder drei Semester warten müssen, um Medizin studieren zu können. 

Aber man flutete gleichzeitig die Unis mit Frauen, die bessere Abiturnoten mitbrachten.

Klassenkameraden, die Arzt werden wollten und dann auch wurden, studierten erst ein paar Semester BWL, um ihren NC für Medizin zu frisieren. Wir hatten einen Klassenprimus und dabei oft auch Schulprimus, der Mathe studieren wollte. Nach drei Semestern sattelte er um auf Grundschullehrer und geriet damit in die Stauden. Ein Glück für die Kinder - er war nicht nur blitzgescheit (so ein Lehrer!!!), sondern hatte auch ein feines Gespür für Witz. Er hätte auch einen guten Arzt abgegeben. Mit viel Fleiß und Arbeit hatte er es nicht - der war naturgescheit.
Die meisten Klassenkameraden wurden auch Lehrer, womit der Bogen zum Greta-/Reisethread geschlagen sei. Es spricht natürlich für die Qualität der Lehrer, wenn ihre Schüler ebenfalls Lehrer werden. Am ersten Ferientag waren die fort, oft weit fort.
Das Argument zog.....um die Welt.... Innocent
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#5
Oh, jetzt hatte ich einen längeren Beitrag geschrieben, weg war er, weil mein PC mal wieder ohne Vorankündigung runtergefahren ist.

Nur ganz kurz: Es gibt keinen Ärztemangel in Deutschland. Nur in manchen, überwiegend ländlichen Regionen und in manchen Disziplinen. Wir hatten noch nie so viele Ärzte wie heute, obwohl die Einwohnerzahl kaum zugenommen hat.

Es gibt mehrere Gründe für den gefühlten Mangel:

- Verstopfte Praxen, da manche wegen jedem Scheixx zum Arzt rennen müssen

- Fallkostenpauschale (lukrative Behandlungen werden zum Teil unnötig durchgeführt), insbesondere OPs mit allen Folgebehandlungen - betrifft häufig Privatpatienten (Überversorgung)

- 90 % studieren eine Fachrichtung, Allgemeinmediziner nehmen rapide ab, Hausärzte sterben langsam aus

usw.


Zitat:Für einen generellen Ärztemangel gibt es keine Belege, für eine mehrfache Fehlverteilung hingegen schon.
ie Fakten: In Deutschland gibt es (2017) genau 385.149 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. So viele wie niemals zuvor. 1990, nach der Wiedervereinigung, waren es erst 237.750. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Zahl berufstätiger Ärzte netto um 65.450 gestiegen. Tendenz: weiter steigend. Mit 4,1 Ärzten je 1.000 Einwohner liegt Deutschland international in der Spitzengruppe (Platz 5 von 29 OECD-Ländern). Schwarzmalern zum Trotz steigt bereits seit 2005 der Anteil junger Ärzte unter 35 Jahre (von 15,4 Prozent auf 18,9 Prozent).

Gibt es einen Ärztemangel?

In Deutschland sind wir an 5. Stelle von 29 OECD-Ländern. Wir haben trotz mancher Schwächen und Strukturprobleme eine TOP-Versorgung, auch für Kassenpatienten. Die Probleme sind hausgemacht.
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#6
Übrigens habe ich in meinem Leben mit Ärztinnen überwiegend bessere Erfahrungen gemacht als mit Ärzten, egal welcher Fachrichtung. Die hören besser zu, nehmen sich mehr Zeit, betrachten eher ganzheitlich und ordnen die erforderlichen Untersuchungen mit Überweisungen problemlos an.

Ich habe jetzt nach Jahren wieder mal eine kompetente Hausärztin in der Nachbarschaft gefunden. Gleich alle erforderlichen Untersuchungen in zwei kurzfristigen Terminen gemacht, 3 Überweisungen zur weiteren Abklärung, einfach super bisher. Rezepte hätten sie mir sogar in die gegenüberliegende Apotheke gebracht, wenn ich es zeitlich in die Praxis nicht mehr geschafft hätte.

Bei einer Facharztpraxis hätte ich nach dem 1. Anruf 2-3 Monate warten müssen. Es ist die einzige in Augsburg. Dann musste die Hausärztin alle Befunde dorthin faxen. Den ersten Termin bekam ich dann doch nach 4 Wochen, den 2. zwei Wochen später.
Hatte wieder Glück mit einer sehr gründlichen Fachärztin asiatischer Abstammung. Ich kam sofort dran, musste nie warten, alle Untersuchungen gemacht und längeres Gespräch. Einfach super! Den Besprechungstermin habe ich auch schon nächste Woche.

Auch bei einem anderen Facharzt mit vollem Wartezimmer musste ich nur 3 Wochen warten. In der Praxis war ich allerdings 2 1/2 Stunden mit Wartezeit und allen Untersuchungen. Erster Befund mit Rezept kam nach einer Woche per Post nach Hause. Gesamtbefund geht an die Hausärztin.

Besser geht's nicht.
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#7
Und noch ein positives Beispiel:

Ich habe vor einigen Monaten mal den kostenlosen Ärzte-Hotline-Service meiner Krankenkasse in Anspruch genommen, da ich einige Fragen zu Medikamenten und Kontraindikationen hatte und eben noch keinen neuen Hausarzt hatte. Nachdem ich das kurz geschildert hatte beim ersten Anruf wurde mir versprochen, dass ich bis 19 Uhr abends einen Rückruf von einem Arzt bekomme. Ok, ich musste bis 19.30 warten, aber es war wieder eine kompetente Ärztin (Internistin), die sich mind. 30 Minuten Zeit genommen hat.

Sie hat alle Fragen ausführlich beantwortet, besser als ich es in jeder Praxis bisher erlebt hatte. Und sie hat mich eben überzeugt, dass ich jetzt doch dringend mal wieder einen Hausarzt bräuchte...

Telemedizin ist sowieso auf dem Vormarsch und kann in manchen Fällen durchaus den Arztbesuch ersetzen, wenn nicht Untersuchungen erforderlich sind. Also eher Beratungsgespräche, da die Ärzte i.d.R. ja wenig Zeit haben. Auch dem katatrophalen Abrechnungssystem geschuldet. Was ebenfalls für Hausbesuche gilt. Welcher Hausarzt kommt denn noch ins Haus für 23 Euro?
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#8
Laut der Umfrage auf der AZ-Seite beim o.a. Artikel sind ca. 60 % der 176.000 Teilnehmer sehr und eher zufrieden mit der
Gesundheitsversorgung in Deutschland. Nur 14 % sind sehr unzufrieden.

Und natürlich müssen manche Leute sehr lange auf einen Termin in manchen Disziplinen warten. Das wird sich niemals ganz beheben lassen. Wenn es ganz dringend ist, gibt es in den meisten Fällen - mit Einschaltung des Hausarztes - einen schnelleren Termin.
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#9
Ach ja, eines hatte ich vergessen, zu erwähnen. Mein Hausarzt ist eine Hausärztin. 

Und Eva Luna, Sie müssen halt gucken. Als ich vor ca. 20 Jahren neu in Augsburg war, musste ich mir auch erst einen Hausarzt suchen. Und ich war bei vier oder fünf anderen, die mir nicht gefallen haben, weil ich mit denen einfach nicht offen reden konnte. Oder bzw. reden kann man natürlich immer alles. Fällt ja unter die Schweigepflicht. Aber es kommt darauf an, dass man das Gefühl hat, der Gesprächspartner versteht einen. 

Und so bin ich dann letztlich bei der Frau gelandet und bin seit beinahe zwei Jahrzehnten sehr zufrieden mit ihr. (Per PN können Sie auch gerne erfahren, von wem ich schreibe.) Die kümmert sich halt und hat Verständnis für so gut wie alles.
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#10
(15.03.2019, 15:52)PuK schrieb: Ach ja, eines hatte ich vergessen, zu erwähnen. Mein Hausarzt ist eine Hausärztin. 

Und Eva Luna, Sie müssen halt gucken. Als ich vor ca. 20 Jahren neu in Augsburg war, musste ich mir auch erst einen Hausarzt suchen. Und ich war bei vier oder fünf anderen, die mir nicht gefallen haben, weil ich mit denen einfach nicht offen reden konnte. Oder bzw. reden kann man natürlich immer alles. Fällt ja unter die Schweigepflicht. Aber es kommt darauf an, dass man das Gefühl hat, der Gesprächspartner versteht einen. 

Und so bin ich dann letztlich bei der Frau gelandet und bin seit beinahe zwei Jahrzehnten sehr zufrieden mit ihr. (Per PN können Sie auch gerne erfahren, von wem ich schreibe.) Die kümmert sich halt und hat Verständnis für so gut wie alles.

Danke für das Angebot, aber ich hatte doch folgendes geschrieben:

Zitat:Ich habe jetzt nach Jahren wieder mal eine kompetente Hausärztin in der Nachbarschaft gefunden....
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