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Marokko - Spanien, die neue Flüchtlingsroute
#1
Die sozialistische Regierung in Spanien wird ihr blaues Wunder noch erleben.

Wenn man sich von der eigenen moralischen Überlegenheit und dazu noch einer Portion Unfehlbarkeitsdenken als unantastbar und im Recht sieht, kann der Schuss schnell nach hinten losgehen.

Hunderte Migranten stürmen spanische Exklave Ceuta 

Zitat:Die marokkanischen Sicherheitskräfte stoppten rund hundert Migranten, bevor diese die Grenze überqueren konnten, wie der spanische Polizeisprecher sagte. 602 Afrikaner hätten dagegen spanisches Territorium erreicht. Mehrere Flüchtlinge wurden demnach von Beamten der Guardia Civil kurz vor dem Grenzübertritt gefasst und nach Marokko zurückgebracht.
Die Polizei warf den Flüchtlingen gewaltsame Angriffe vor: Sie hätten bei dem unvermittelten Ansturm "Plastikcontainer voll mit Extrementen und Branntkalk" sowie Steine und Stöcke auf die Sicherheitskräfte geschleudert, sagte der Polizeisprecher. Branntkalk ist eine ätzende Chemikalie. Überdies hätten die Angreifer Sprühdosen angezündet und als "Flammenwerfer" eingesetzt. 15 Polizisten seien bei dem Ansturm verletzt worden.

Und wie reagiert die spanische Regierung?
Sie will den Stacheldraht abbauen, damit sich beim - illegalen - Überschreiten der Grenze niemand mehr verletzt.
Gut, über den Abbau des Stacheldrahts ließe sich wirklich streiten - wenn man glaubt, an den Landesgrenzen gehe es zu wie zwischen Nachbarn mit Gartenzaun.
Wenngleich das Folgende verständlich und nachvollziehbar ist:
Zitat:Derweil rief die Gewerkschaft der Guardia-Civil-Beamten die spanische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez dazu auf, ihre Pläne für die Sicherung der Grenze nach dem Abbau des Stacheldrahts zu erläutern. Diese Maßnahme hatte die sozialdemokratische Regierung unlängst angekündigt. Ohne den Stacheldraht und schwere Ausrüstung für die Polizei würden sich die Probleme an der Grenze aber weiter verschärfen, erklärte die Gewerkschaft.

Ganz ins Abseits stellt sich die spanische Regierung allerdings damit:
Zitat:Vor diesem Hintergrund hatte Spaniens Außenminister Josep Borrell bereits am Mittwoch Italiens rechtspopulistische Regierung für deren Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Rom habe auf "fragwürdige Weise" die zentrale Mittelmeerroute von Libyen nach Italien geschlossen, weshalb immer mehr Migranten über Marokko nach Europa gelangen wollten.

Was erlaube Italien? Machen Grenze zu ohne uns zu fragen. jetzt wir die Dummen.
Mit "über Marokko" meint er natürlich "über Spanien".
Ich bezweifle, dass die spanische Bevölkerung den Italienern böse ist. Die wissen nämlich, was das für die Italiener bedeutet hat, und auch, was das für sie bedeuten würde.
Eher wird die Regierung große Probleme bekommen.
Auch solche Traumtänzer. Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Das sollen mal gefälligst die anderen, sprich Italiener, richten.
Die Wirklichkeit ist so schlimm, sie spottet jeder Beschreibung.
(Thomas Bernhard)
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#2
(28.07.2018, 18:04)Serge schrieb: Die sozialistische Regierung in Spanien wird ihr blaues Wunder noch erleben.

Das Dumme daran ist nur, dass es eben nicht nur Spaniens Regierung betrifft. Denn wenn die in Spanien sind, herrscht EU-weite Personenfreizügigkeit. 

Ich frage mich sowieso, was diese beiden spanischen Enklaven in Marokko sollen. Das ist sauteuer und bringt weder Spanien noch Marokko irgendetwas außer haufenweise Komplikationen und Probleme. 

Ceuta beherbergt auf einer Fläche von 18,5 km² etwa so viele Einwohner wie Konstanz am Bodensee, ca. 85.000. Lohnt sich das, kann sich das lohnen, deshalb eine Enklave auf einem anderen Kontinent zu haben und sie mit Zähnen und Klauen zu verteidigen? Und kann es den Leuten dort dauerhaft Spaß machen, in einem so kleinen Gebiet zu wohnen, dessen eine Grenze der Strand ist und das auf der anderen Seite von einem sechs Meter hohen Zaun begrenzt wird? 

Das ist doch ein Freiluftgefängnis, selbst für die, die schon drin sind und da offiziell wohnen. Ich würde da wegwollen.

Aber in Marokko denkt man darüber ein bisschen anders, ich weiß. Es liegt auch an der Wüste. Es geht zum Beispiel in Marrakesch ganz einfach nicht, am Wochenende mal kurz raus vor die Stadt zu fahren, so wie wir am Wochenende an den Baggersee fahren oder einen Waldspaziergang machen. Da draußen in der Umgebung ist nämlich nichts, nur tödliche Wüste. Man muss Hunderte von Kilometern fahren, bis man die nächste nennenswerte Siedlung erreicht. So ähnlich, wie wenn man von Augsburg aus nach Heidelberg oder mindestens Nürnberg fahren müsste, um wieder auf Zivilisation zu treffen. Alles dazwischen muss man sich wegdenken bei diesem Gedankenexperiment, außer der reinen Entfernung*. So eine Fahrt würde man nur unternehmen, wenn sie unbedingt notwendig ist, aber nicht mal eben zum Spaß. Also bleibt man, wenn man in Marrakesch wohnt, in der Praxis so gut wie ständig in der Stadt, auch wenn einem theoretisch niemand verbietet, sie jederzeit zu verlassen. 

Die Leute dort haben sich daran gewöhnt, denen fällt das gar nicht auf, dass ihr Aktionsradius äußerst begrenzt ist. Nur als Europäer merkt man das, wenn man im Urlaub dort ist. Weil man sich dort festgenagelt vorkommt wie ein toter Schmetterling mit einer Stecknadel quer durch hinter Glas. Was bei uns ein kleiner Ausflug wäre, den man am Nachmittag machen kann, um abends wieder daheim zu sein, gerät dort zwangsläufig zu einer größeren Unternehmung, die sorgfältig geplant und vorbereitet sein will.
____________
* Und außer der Autobahn. Die haben nämlich tolle Autobahnen dort. Da fehlt nichts, weder die Standspur noch die Überholspur. Sieht genauso aus wie bei uns, wirft aber auch bei 40° C und mehr keine Blow-Ups. Qualitätsarbeit. Nur dass auf beiden Seiten der Strecke durchgehend hohe Maschendrahtzäune sind, damit Wildtiere oder Kamele nicht plötzlich auf der Straße stehen. Die Autobahnen in Marokko haben übrigens die Chinesen gebaut. Die tun tatsächlich was in Richtung Entwicklungshilfe, während Deutschland Syrien zerbombt und hilflos vor dem Chaos in Libyen steht, die beide sehr gut funktionierende Länder waren, bevor die westliche Wertegemeinschaft ins Geschehen eingegriffen hat. 

Abschließender Reisetipp: Man sollte sich auf diesen Autobahnen unbedingt an die vorgeschriebenen 120 km/h halten, vielleicht vorsichtshalber lieber 110, denn alle 20 Kilometer steht irgendwo hinter einem Felsen am Straßenrand ein Polizeiauto oder -motorrad mit einer Radarfalle. Und die Cops verstehen da unten eher keinen Spaß. Sie schicken auch nicht Bußgeldbescheide vier Wochen später mit der Post, sondern sie lösen das Problem sofort und an Ort und Stelle. Deshalb sollte man dort immer umgerechnet ungefähr 50 € Bargeld in kleinen Scheinen dabeihaben. Und seinen Reisepass, um das Bargeld bei der Kontrolle der Personalien unauffällig zwischen die hinteren Seiten klemmen zu können. Das hilft generell, auch bei anderen kleinen (Zwanni) bis mittleren (Fuffi) Delikten. Oberhalb davon ist dann aber das Ende der Fahnenstange erreicht. Da hilft dann auch kein Bargeld und kein verbindliches Auftreten mehr. Spätestens, wenn einer verletzt oder tot daliegt, verlieren auch die das letzte Bisschen Humor und tun nur noch ihre Pflicht.
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#3
(28.07.2018, 18:33)PuK schrieb: Das Dumme daran ist nur, dass es eben nicht nur Spaniens Regierung betrifft. Denn wenn die in Spanien sind, herrscht EU-weite Personenfreizügigkeit.
Ja, wahrscheinlich winkt sie die Flüchtlinge einfach durch, ohne Registrierung.
Und dann Frankreich ...
Die Wirklichkeit ist so schlimm, sie spottet jeder Beschreibung.
(Thomas Bernhard)
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